Lilien
Kommst du am Abend bleiern heim
Ruhst endlich aus in ihrem Blick
Wie Wild im Schnee die Fährte legt
Wie Staub im Dom flirrt durchs Licht
Die Augen tief und warm und weich
Wie junge Lilien auf dem Teich
Sie fragt nicht, sagt nichts, denn sie weiss
Fraglos, dass Wärme reicht
Ihr Blick enttarnt dich und befreit
Bis dein verhärtet Herz sich regt
Wie Staub im Dom, von Licht umgarnt
Und sie den Frühling um dich legt
Ja, manche Wunde, die sie stillt
Hat sie dir selber beigebracht
Weil Liebe nun mal nie sanft glüht
Was liebt, versengt und frisst
Sie ist’s, die deinen Schlaf bewacht
War’s, die dich zum Geschenk dir gab
Sie ist der Quell, dass du dich liebst
Und gräbt vielleicht dein Grab